„Freue mich riesig auf Stuttgart“
  05.11.2019 •     HVW-Verband , Presse


Die neue Teammanagerin der Frauen-Nationalmannschaft Maren Baumbach aus Stuttgart über ihren Start, ihre Doppelrolle als Lehrerin und die Vorfreude auf den Test in der SCHARRena

Seit den beiden siegreichen EM-Qualifikationsspielen gegen Weißrussland und den Kosovo im September ist Maren Baumbach (38) Teammanagerin der deutschen Frauen-Handball-Nationalmannschaft. In Bad Cannstadt geboren, startete die 120-fache Nationalspielerin ihre Karriere in Waiblingen, kam über Blomberg und Trier nach Kopenhagen. 2009 beendete Baumbach ihre Karriere, wurde Gymnasiallehrerin für Deutsch und Mathematik in Fellbach. Mit ihrer Rolle als Botschafterin für den Handballverband Württemberg bei der Heim-WM 2017 kehrte die Spielmacherin und WM-Dritte von 2007 wieder zurück. Als Nachfolgerin der Schwäbin Laura Steinbach ist sie nun für Organisation und Logistik der DHB-Frauen zuständig, mit denen sie am 21. November (19 Uhr) zum Länderspiel gegen Montenegro in ihre Heimat Stuttgart kommt (Karten für die Partien in der SCHARRena unter www.dhb.de/tickets). In diesem Interview spricht Baumbach über ihren Spagat zwischen Schule und Nationalteam und speziell ihre Rückkehr nach Stuttgart.

Ist die Partie gegen Montenegro für Sie so etwas wie ein Heimspiel?
Maren Baumbach: Ja klar! Ich habe nur 15 Minuten Anreise zur Halle, deswegen freue ich mich riesig auf die Partie am 21. November. Erstens, weil wir in Stuttgart spielen, zweitens, weil so viele Bekannte kommen werden. Das Spiel wird hoffentlich eine tolle Sache.

Was waren Ihre ersten Eindrücke in Ihrer neuen Funktion als Teammanagerin der DHB-Frauen?
Maren Baumbach: Es war unglaublich spannend, diese ganzen Abläufe einmal von der anderen Seite zu sehen. Als Spielerin machst du dir um die Organisation rund um eine Nationalmannschaft keine großen Gedanken. Jetzt habe ich gesehen, was alles dahintersteckt, was alles ineinander greifen muss, damit so eine Lehrgangswoche reibungslos läuft.

Was gehört zu Ihren Aufgaben?
Maren Baumbach: Alles, damit sich die Trainer und die Spielerinnen ausschließlich auf den Handball konzentrieren können, die Organisation rund um Länderspiele und Lehrgänge. Es geht darum, dass der Rest des Teams keine Energie für Dinge abseits des Sports verschwenden muss.

Und welche Herausforderungen warten gerade mit Blick auf die WM in Japan, die am 30. November startet?
Maren Baumbach: Da stehen momentan vorrangig Formulare an, was die ganze Reise betrifft, es geht um die Logistik der Mannschaft, und dass wir alles dabeihaben. Schließlich ist es nicht so einfach, etwas nach Japan nachzuschicken.

Sie waren selbst bei mehreren Welt- und Europameisterschaften sowie den Olympischen Spielen 2008 in Peking am Start. Wie groß ist aktuell die Gefühlswelt der Spielerinnen vor der Reise nach Japan?
Maren Baumbach: Die Vorfreude, aber auch die Anspannung steigen mit jedem Tag. Wenn es beim Trainingslager in Steinbach am 18. November erstmal losgegangen ist, wird nichts außer der WM mehr die Spielerinnen beschäftigen.

Hat Ihnen Ihre Vorgängerin Laura Steinbach, mit der Sie früher im Nationalteam spielten, beim Start geholfen?
Maren Baumbach: Absolut, wir hatten beim Länderspiel in Coburg eine richtige Übergabe. Ich hatte im Vorfeld viel mit ihr gesprochen, und ich weiß, dass ich sie jederzeit anrufen kann, wenn es Fragen gibt. Laura hat in ihrer Zeit einiges aufgebaut, woran ich anknüpfen kann. Es war ein reibungsloser, toller Übergang.

Wie wichtig ist es, dass eine frühere Nationalspielerin diese Funktion innehat?
Maren Baumbach: Ich denke, das ist sehr wichtig, denn als frühere Spielerin kann man sich in die Mannschaft hineinversetzen, weiß, was die Spielerinnen wollen. Ich kenne die Rahmenbedingungen, weiß, was optimal ist.

Wie kamen Sie zu Ihrem neuen Posten?
Maren Baumbach: Henk Groener kam auf mich zu und fragte mich, ob ich mir den Job vorstellen könne. Ich war begeistert, aber ich musste das natürlich mit meinen Dienstherren, dem Kultusministerium und dem Regierungspräsidium in Stuttgart abstimmen, ob das auch möglich ist. Da war meine Schule, das Gustav-Stresemann-Gymnasium in Fellbach, super kooperativ. Auch der frühere DHB-Präsident Bernhard Bauer hat sich sehr für mich eingesetzt. Ich bin begeistert von der Arbeit von Henk Groener. Er gibt den Spielerinnen viel Eigenverantwortung, sie sollen mitdenken und sich einbringen. Gleich nach dem ersten Gespräch mit Henk hat mein Handball-Herz gelacht.

Wie schafft man diese Doppelfunktion, wenn man Mathe und Sport am Gymnasium unterrichtet und zum Beispiel im Dezember drei Wochen bei der WM in Japan ist?
Maren Baumbach: Das ist alles eine Sache der Planung, ich halte Stunden vor oder nach, und meine Kollegen übernehmen meine Klassen und Kurse, wenn ich mit der Nationalmannschaft unterwegs bin.

Sie haben 2010 Ihre Karriere beendet, danach hat man in Sachen Handball wenig von Ihnen gehört …
Maren Baumbach: Ich hatte einen Schlussstrich gezogen, hatte genug mit meinem Job als Lehrerin und weiterführenden Aufgaben in meiner Schule zu tun. Als mich Hans Artschwager, der Präsident des Handballverbands Württemberg, dann 2017 fragte, ob ich WM-Botschafterin werden wollte, hat mich das sehr gefreut. Er hat ein Herz für den Frauenhandball, und zudem wurde hier im Süden einiges auf die Beine gestellt.

Zurück zur aktuellen Mannschaft: Sie waren 2008 bei Olympia in Peking dabei, träumen Sie aktuell Ihren nächsten Olympia-Traum?
Maren Baumbach: Ich habe zumindest alle potenziellen Termine für den nächsten Sommer beim Kultusministerium angemeldet (lacht). Aber aktuell sollten wir Schritt für Schritt denken. Erst einmal steht die WM an, da müssen wir unter die besten sieben, acht Teams kommen, um weiter im Rennen um ein Olympiaticket zu bleiben. Und das wird angesichts der Vorrunden- und potenziellen Hauptrundengruppe nicht einfach.